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Abends fliegen Eier gegen das Wohnhaus in Wesseling

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eier.jpg80-jähriger Urfelder fühlt sich von Randalierern bedroht, die zuletzt an Halloween aktiv wurden – Schon lange schwelt ein Streit um den Sportplatz

Wesseling-Urfeld. In der Luft liegt der Geruch von fauligen Eiern. An der roten Backsteinwand finden sich Flecken. Vor der Haustüre zeugen Eierschalen, leere Joghurtbecher und Bananenschalen von dem, was sich hier in den Abendstunden des 31. Oktober, also an Halloween, abgespielt haben muss. Vor allem aber reicht ein Blick in das zornige Gesicht von Alfred Wedmann, um ein deutliches Bild von dem Konflikt zu bekommen, der dort in der Straße Kreuz-Knippchen in Urfeld offenbar eskaliert ist. Mehr als eine Stunde lang, so berichtet der 80-Jährige dem General-Anzeiger, habe eine Gruppe von Personen, die er nicht namentlich benennen könne, bei Einbruch der Dunkelheit vor seiner Haustür gestanden.

Von den Rufen "Komm doch heraus" provoziert, sei er zur Türe gegangen. "Als ich sie öffnete, kamen mir schon die Eier entgegengeflogen", erinnert sich der Rentner – auch Tage nach dem Abend immer noch in Aufruhr. Mindestens 40 Eier trafen Hauswand, Dach, Fenster und Tür, eines davon sogar das Gesicht des Rentners.

Zahlreiche weitere flogen weit in den Hausflur hinein und sorgten dort für Verschmutzung. Große Flecken an der Toilettentüre gleich neben dem Hauseingang machen deutlich: Die "Angreifer" schleuderten ihre Wurfgeschosse nicht nur aus der Ferne, sondern müssen bis auf einen Meter an Wedmanns Haustüre herangekommen sein, um die Toilette zu treffen.

"Die sofort verständigte Polizei sagte mir, sie könne wegen eines Unfalls erst später kommen", schimpfte Wedmann, der sich von den Ordnungshütern allein gelassen fühlt – erst als ein Gast von ihm wegen Sachbeschädigung an seinem Auto nachts, etwa vier Stunden nach dem ersten Eierwurf, noch einmal bei der Wache angerufen habe, seien die Beamten fünf Minuten später vor Ort gewesen. Die Wesselinger Polizei bestätigte die Anrufe und Wedmanns Anzeige.

Unterdessen hat dieser eine Putzkolonne bestellt. Zur Geschichte des Konflikts will er zunächst nicht viel sagen, doch dann macht er seinem Unmut Luft: Der Sportplatz auf der anderen Seite der Straße sei die Ursache von stetigen Streitigkeiten.

Insgesamt 13 Prozesse habe der Bürger Wedmann bereits gegen die Stadt Wesseling geführt, bestätigte Wesselings Pressesprecher Peter Adolf. Denn anfreunden konnte sich der Senior nie mit dem Bau der Sportanlage seit Anfang der 80er Jahre: Lärm, Bälle in seinem Vorgarten und das versperrte Blickfeld ließen den ehemaligen Landschaftsarchitekten immer wieder vor den Kadi ziehen. "Die Stadt Wesseling hat aber keinen dieser Prozesse verloren, obwohl es zahlreiche Ortstermine gab und auf dem Sportplatz sicher jeder Stein zweimal umgedreht wurde", so Pressesprecher Adolf.

Nur in einem einzigen Fall, bei einem gerichtlichen Vergleich, mussten die Nutzer des Sportplatzes einige Einschränkungen des Sportplatzbetriebs hinnehmen. Eine offizielle Beschränkung des Ausschanks, Verbot von Lautsprecheranlagen und Bandenwerbung, das Abbauen des Trainerhäuschens und eine Erhöhung des Ballfangzauns verhärteten die Fronten noch zwischen den Anliegern der Straße, hier der Privatmann, dort die Sportler.

Wedmann kündigte an, seinen Feldzug gegen den Sportplatz durch alle Instanzen weiterzuführen, schließlich habe er bereits an der Straße gewohnt, als es dort noch keinen Sportplatz gab. Die von ihm aus dem Garten gesammelten Bälle habe er den Sportlern unversehrt zurückgegeben – gebündelt in einem Sack mit über 100 Stück. "Dass es jetzt einige Dummköpfe gibt, die Eier werfen, ist sehr bedauerlich", so Pressesprecher Adolf. "Wenn aber beide Seiten mit Vernunft an die Sache rangehen würden, ließe sich das sicher entschärfen."

(07.11.2007)   Generalanzeiger Bonn ( Bernhard Wagner)