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Aus vier mach eins

Wesseling – Die katholischen Pfarreien in Wesseling stehen vor einschneidenden Veränderungen. Spätestens 2009 sollen die vier Pfarreien St. Germanus, St. Thomas, St. Andreas und Schmerzhafte Mutter einen Verbund bilden. Zwar sollen ihre Kirchenvorstände bestehen bleiben, künftig soll es aber nur noch einen Pfarrgemeinderat für ganz Wesseling geben. Auch die beiden Seelsorgebereiche Am Entenfang und Wesseling-Mitte / Urfeld werden zu einem Seelsorgebezirk für das gesamte Stadtgebiet verschmolzen. Anstatt wie bisher zwei wird es nur noch einen Pfarrer für Wesseling geben.

Markus Polders zeigt sich überrascht vom Zeitpunkt der Umstrukturierungen. „Das kam sehr kurzfristig“, sagte der für Wesseling-Mitte und Urfeld zuständige Pfarrer auf Anfrage. Laut einem Brief, den Polders jetzt an die Mitglieder der Gemeinden schickte, will das Kölner Erzbistum seine 221 Seelsorgebereiche auf 180 reduzieren und entsprechend Personal abbauen. Zum einen seien finanzielle Gründe ausschlaggebend für diese Entscheidung. Zum anderen „die große Sorge um den Nachwuchs bei den geistlichen Berufen“, schreibt Polders. Christoph Heckeley, Sprecher des Kölner Erzbistums, bestätigte dies: Bis zum Jahr 2020 werde die Zahl der Priester im Erzbistum aufgrund Nachwuchsmangels von derzeit 570 auf 400 zurückgehen.

Nur noch ein Gremium

Parallel zur Ausdünnung der Personaldecke soll die Zusammenarbeit der Pfarreien gestärkt werden. Um den Pfarrer zu entlasten, sollen die Gemeinden einen Pfarrgemeinderat für die ganze Stadt gründen: „Damit hat es der Pfarrer nur noch mit einem Gremium zu tun“, erklärt Polders. Von den Laien erfordere ein über die Stadtteilgrenzen hinaus agierender Pfarrgemeinderat aber ein Umdenken: „Dessen Mitglieder müssen über den eigenen Kirchturm hinausdenken“, so Polders.

Mitte August wurden er und sein für St. Andreas und Schmerzhafte Mutter zuständiger Kollege, Dechant Gerhard Wehling, vom Kölner Erzbistum vor die Wahl gestellt, ob die Pfarreien fusioniert oder nur zu einem Verbund zusammengeschlossen werden sollen. Im Falle einer Fusion wären auch die Kirchenvorstände aufgelöst worden. Aus Rücksicht auf die gewachsenen Strukturen der Gemeinden habe man sich für den Verbund entschieden, so Polders: „Ich lege viel Wert darauf, die Traditionen vor Ort zu erhalten.“ Vom Tisch ist eine Fusion aber noch nicht: Die endgültige Entscheidung über die künftige Gemeindestruktur werde erst im Oktober gefällt, sagte Polders.

Fest steht, dass die Zahl der hauptamtlichen Kräfte von derzeit acht auf fünf reduziert wird. Das geistliche „Profi-Team“ soll nur noch aus einem Pfarrer, zwei Priestern, einem Pastoralreferenten und einem Gemeindereferenten bestehen. Damit der Pfarrer seine seelsorgerischen Pflichten erfüllen könne, seien die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Gemeinden in Zukunft stärker gefragt, sagte Polders. Sie müssten mehr Verwaltungsaufgaben übernehmen und insgesamt selbstständiger arbeiten, so Polders. Gleichzeitig müssen sich die Wesselinger wohl bald mit weniger Messen zufriedengeben: „Wenn weniger Priester da sind, gibt es auch weniger Gottesdienste“, sagte Polders. Ob er oder Wehling in Zukunft die Seelsorge übernimmt, steht noch nicht fest: „Es kann auch sein, dass ein komplett neues Team kommt“, sagte Polders. Erst im kommenden Jahr werde über das künftige Personal gesprochen. Polders steht nach eigenen Angaben „voll hinter“ den Plänen des Erzbistums. Angesichts des Nachwuchsproblems sei es „sehr weitsichtig, was der Bischof macht“. Dechant Wehling sieht allerdings keinen akuten Handlungsbedarf. Noch gebe es im Kölner Erzbistum genug Priester. Für eine solch schnelle Umstrukturierung der Wesselinger Seelsorge sehe er deshalb „keinen Grund“.

Quelle: Kölner Stadt Anzeiger